Mythos Kuba
Weltweit gibt es bei vielen mit dem Sozialismus verbundenen Menschen einen „Mythos Kuba“. Das kubanische Staatswesen wird als ein(ziger) gelungener Versuch des Sozialismus gesehen, der Vorbildcharakter nicht nur für die „Dritte Welt“ habe und den es zu verteidigen gelte. Große Sympathien hat das kubanische Modell auch in weiten Teilen Süd- und Mittelamerikas. Gründe hierfür sind:
* Die solidarische Hilfe Kubas für andere Länder der Dritten Welt:
o Militärische Hilfe zur Verteidigung Angolas gegen die Truppen des damaligen Apartheid-Regimes Südafrika (? Kubanischer Militäreinsatz in Angola) und anschließender medizinische und militärische Hilfe zur Verteidigung der demokratisch gewählten Regierung Angolas gegen die (von den USA, bis in die Amtszeit von George Bush sen. durch Waffenlieferungen unterstützten) Armee der Rebellenorganisation UNITA.
o Unterstützung von Staaten der Dritten Welt mit Spezialisten für Alphabetisierung
o Engagement in der Bewegung der Blockfreien Staaten z. Zt. des Kalten Krieges
o Entsendung von Ärzten in andere Länder, so z. B. nach Venezuela, wo im Rahmen der Misión Barrio Adentro eine medizinische Grundversorgung in den Armenvierteln aufgebaut wird, wofür im Gegenzug Venezuela verbilligt Öl an Kuba verkauft.
* Die vergleichsweise hohen Sozial- und Bildungsstandards, die nach der kubanischen Revolution erreicht wurden.
* Das basisdemokratische Rätemodell mit abwählbaren Abgeordneten, die dem Wählerwillen verpflichtet sind.
* Das Vorliegen einer echten Revolution, die von einer breiten Volksbewegung getragen war.
* Der Konflikt mit den als neoliberal und imperialistisch gesehenen USA.
* Die Tatsache, dass Kuba die allgemeine Implosion des Ostblocks überlebt hat.
In gleichem Maße wird die kubanische Regierung gerade von vielen Nichtlinken deutlich abgelehnt. Insbesondere in den USA ist sie als eine der letzten Bastionen des Kommunismus direkt vor der Haustür vielen ein Dorn im Auge. Sie argumentieren:
* Die hohen Sozial- und Gesundheitsstandards seien vom Ostblock subventioniert worden und keine Rechtfertigung für die Diktatur. Außerdem könnten sie nicht mehr lange von der relativ schwachen Wirtschaft aufrecht erhalten werden.
* In Anlehnung an die sowjetische Außenpolitik habe Kubas Engagement für die dritte Welt lange Zeit zu wesentlichen Teilen aus der Entsendung militärischer Truppen bestanden.
* Kubas Diktatur sei keineswegs human, höchstens im Vergleich zur blutigen Frühgeschichte der Revolution.
* Die kubanische Regierung habe den Kubanern nie die Möglichkeit gewährt, über Grundlagen ihrer Politik abzustimmen oder gar sie abzuwählen; ihre Unterstützung durch die heutige Bevölkerung sei ungewiss.
* Der Konflikt mit den USA sei durch Fidel Castro heraufbeschworen worden und werde von ihm wach erhalten, weil er ihn brauche, um seine Repressionsmaßnahmen zu rechtfertigen.
Differenzen dieser Art tragen in entsprechenden Medien zu einer sehr ideologisierten und schwierigen Auseinandersetzung bei.


