Bundesrepublik Deutschland
Deutschland (Langform der amtlichen Staatsbezeichnung: Bundesrepublik Deutschland) ist ein föderaler Staat im westlichen Mitteleuropa, der aus 16 Bundesländern besteht. Hauptstadt und Regierungssitz ist Berlin. Es ist Gründungsmitglied der Europäischen Union und mit über 82 Millionen Einwohnern deren bevölkerungsreichster Staat.
Die Bundesrepublik Deutschland ist eine moderne Grossmacht, Mitgliedstaat der Vereinten Nationen, Bündnismitglied der NATO sowie in der G8 und nach Bruttoinlandsprodukt die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt, ausserdem Exportweltmeister und zweitgrösser Einführer von Waren- und Gütern.
Fakten und Zahlen
Amtssprache: Deutsch
Hauptstadt: Berlin
Staatsform: Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt: Bundespräsident Horst Köhler
Regierungschef: Bundeskanzlerin Angela Merkel
Fläche: 357.092,90 km²
Einwohnerzahl: 82.310.000 (31. Dezember 2006)
Bevölkerungsdichte: 231 Einwohner pro km²
Währung: Euro (1 € = 100 ct)
Gründung: 18. Januar 1871 (Gründung des einheitlichen Nationalstaates)
23. Mai 1949: (Bundesrepublik)
3. Oktober 1990: (Wiedervereinigung mit dem Territorium der ehemaligen DDR)
Nationalhymne: Deutschlandlied (3. Strophe)
Nationalfeiertag: 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit)
Zeitzone: UTC+1 MEZ; UTC+2 MESZ (März – Oktober)
Allgemeines
Die naturräumlichen Grossregionen sind von Nord nach Süd Norddeutsches Tiefland, Mittelgebirgszone und Alpenvorland mit Alpen. Für weitere Ebenen der Naturräumlichen Gliederung siehe Naturräumliche Haupteinheiten Deutschlands.
Deutschland hat insgesamt neun Nachbarstaaten: Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande.
Der nördlichste Punkt überhaupt (ohne Meeresgebiete) befindet sich auf der Insel Sylt nördlich von List am Ellenbogen; die nördlichste Festlandsstelle liegt an der Westküste Schleswig-Holsteins am Rickelsbüller Koog. Den südlichsten Punkt Deutschlands bildet das Haldenwanger Eck südlich von Oberstdorf. Vom Ellenbogen bis zum Haldenwanger Eck sind es etwa 886 km Luftlinie. Der westlichste Ort Deutschlands liegt im „Isenbruch“ des Selfkant an der Grenze zu den Niederlanden nahe der Maas, der östlichste zwischen Neisseaue-Deschka und Neisseaue-Zentendorf in einer Flussschleife der Lausitzer Neisse. Vom Isenbruch bis zur Flussschleife der Neisse sind es rund 636 km Luftlinie.
Städte und Ballungsräume
In Deutschland gibt es 14 Städte mit mehr als 500 000 Einwohnern. Die Besonderheit Deutschlands liegt in der randlastigen, dezentralen Verteilung der Grossstädte. Die fünf einwohnerstärksten Städte sind (Stand: Dezember 2005):
1. Berlin mit 3,4 Mio. Einwohnern
2. Hamburg mit 1,75 Mio. Einwohnern
3. München mit 1,3 Mio Einwohnern
4. Köln mit 0,98 Mio. Einwohnern
5. Frankfurt am Main mit 0,65 Mio. Einwohnern
In Deutschland gibt es 11 Metropolregionen. Die fünf einwohnerstärksten Metropolregionen sind (Stand: 1. Januar 2005):
1. Rhein-Ruhr mit 11,8 Mio Einwohnern
2. Frankfurt am Main/Rhein-Main mit 5,8 Mio Einwohnern
3. Hamburg mit 4,3 Mio. Einwohnern
4. Berlin/Brandenburg mit 4,3 Mio. Einwohnern
5. Hannover-Braunschweig-Göttingen mit 3,9 Mio. Einwohnern
Bevölkerung
Deutschlands Geburtenrate ist eine der niedrigsten weltweit. Am 30.11.2005 lebten in der Bundesrepublik Deutschland 82.459.178 Einwohner auf der Fläche von 357.050 km². Das Land gehört damit zu den am dichtesten besiedelten Flächenstaaten der Welt. Etwa 75 Millionen Menschen (91 %) sind deutsche Staatsbürger. Von diesen haben wiederum sieben Millionen Bürger einen Migrationshintergrund, das heisst, sie sind
* „Aussiedler“ bzw. „Spätaussiedler“ deutscher Nationalität, von denen die meisten aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion (51 %, umgangssprachlich meist als „Russlanddeutsche“ bezeichnet) und aus Polen (34 %) eingewandert sind. Zwischen 1950 und 2002 waren dies insgesamt 4,3 Millionen Menschen, oder
* im Land geborene oder seit langer Zeit in Deutschland lebende ehemalige Ausländer, die seit der Änderung des Staatsbürgerschaftsrechts auf eigenen Antrag eingebürgert wurden.
Von den Einwohnern mit anderer Staatsangehörigkeit (Ende 2005: 6.755.811) stellen die türkischen Staatsangehörigen mit etwa 1,76 Millionen die grösste Gruppe. Die übrigen sind überwiegend EU-Bürger (2,1 Mio.). Den grössten Anteil haben hier Italiener (540.810), Polen (326.596) und Griechen (309.794). Der Anteil der europäischen Staatsbürger aus Nicht-EU-Ländern (3,2 Mio.) hat sich durch Migration aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und aus dem ehemaligen Jugoslawien (1,0 Mio.; unter anderem durch Kriegsflüchtlinge) in den 1990er Jahren erhöht. 2004 erwarben 127.153 Personen die deutsche Staatsbürgerschaft.
Die Zahl der gesamten polnischen Diaspora in Deutschland beläuft sich auf weit über zwei Millionen, wobei sich die meisten von ihnen seit langem in die einheimische Bevölkerung integriert haben.
Somit ergibt sich ein Gesamtanteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund von etwa 17 Prozent, ein Hinweis darauf, dass die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung nicht mehr über Nationalitäten erfasst werden kann. Ein gewisses Mass an Einwanderung wird von politischer Seite im Hinblick auf den Rückgang der Geburtenzahl und die daraus folgende negative demographische Entwicklung gewünscht, um die soziale Absicherung der Bevölkerung nicht zu gefährden, zu starke Zuwanderung aufgrund der daraus resultierenden sozialen Spannungen jedoch abgelehnt.
Angestammte ethnische Minderheiten sind Dänen (je nach Quelle ca. 15.000 bis 50.000), Friesen (ca. 20.000), Jenische (ca. 412.000), Sorben (ca. 60.000) und Sinti (ca. 70.000).
Sprachen und Dialekte
Die in Deutschland gebräuchliche Sprache ist Deutsch. Deutsch ist Amtssprache, wird als Standardsprache in den überregionalen Medien und als Schriftsprache verwendet. Als Sprache des Alltags wird es in vielen Regionen fast ausschliesslich gesprochen (oft regional leicht eingefärbt). Daneben gibt es unterschiedlich stark vertretene Dialekte.
Die deutsche Sprache war einst die Verkehrssprache in Mitteleuropa, Osteuropa und Skandinavien. Zeitweilig hatte Deutsch auch international eine gewisse Bedeutung als Wissenschaftssprache, bevor es von Englisch abgelöst wurde. In Europa ist es nach Englisch die am häufigsten unterrichtete Fremdsprache. Innerhalb der Europäischen Union ist Deutsch die Sprache mit den meisten Muttersprachlern, noch vor Englisch, Französisch, Spanisch oder Italienisch.
Neben der deutschen Sprache sind regional auch die Sprachen der seit langem in Deutschland ansässigen Minderheiten als offizielle Sprachen anerkannt, wie Dänisch, Friesisch und Sorbisch. Sinti und Roma sprechen Romanes, Jenische ihre jenische Sprache. Gleiches gilt für Niederdeutsch, das von den einen als eigenständige Sprache, von den anderen als Dialektgruppe betrachtet wird. Die Zahl der Sprecher dieser Minderheitensprachen und Dialekte ist jedoch vergleichsweise klein und nimmt tendenziell ab. Es gibt Bestrebungen, diesem Trend durch Unterricht in Kindergarten und Grundschule entgegen zu wirken.
Ehemals verbreitete Sprachen wie Moselromanisch (im 11. Jahrhundert ausgestorben), Polabisch (im 18. Jahrhundert ausgestorben) oder Jiddisch werden heute nicht mehr gesprochen.
Die Verwendung von Dialekten wird von manchen Menschen als Makel, von anderen als kulturelle Bereicherung empfunden. Im norddeutschen Raum verwenden Angehörige der höheren Bildungsschichten seltener die regionale Mundart, während im süddeutschen Sprachraum selbst in akademischen Kreisen der Gebrauch des Dialekts üblich ist. Da das Standarddeutsche sich aus hochdeutschen (mittel- und oberdeutschen) Sprachformen entwickelt hat und die niederdeutschen Dialekte verdrängt hat, sprechen Norddeutsche tendenziell eher ein dialektfreies Deutsch als die Bevölkerung in den südlichen zwei Dritteln des Landes.
Ein Durchbruch zu einer deutschen „Einheitsschreibung“ gelang mit dem „Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ von Konrad Duden (1880), das in der Rechtschreibreform von 1901 in leicht veränderter Form zur Grundlage der amtlichen Rechtschreibung erklärt wurde. Erst 1996 kam es zu einer erneuten Rechtschreibreform, sie wurde 2005 abermals verändert.
In den vergangenen Jahrzehnten haben sich in Deutschland viele Zuwanderer (überwiegend Wirtschaftsflüchtlinge) niedergelassen. Untereinander verwenden sie neben dem Deutschen noch häufig ihre Muttersprache, hauptsächlich Türkisch und Russisch.
Die an Schulen vorrangig gelehrte Fremdsprache ist Englisch, gefolgt von Französisch und Latein und danach von Russisch. In den letzten Jahren ist auch Spanisch immer beliebter geworden. Die Entscheidung über die unterrichteten Fremdsprachen haben die Schulministerien in den einzelnen Bundesländern. Weitere Fremdsprachen wie z. B. Chinesisch oder Italienisch kann man an manchen Schulen als AG wählen.
Religionen
In Deutschland wird die Religionsfreiheit als Grundrecht garantiert. Gleichwohl ist die Trennung von Kirche und Staat nicht vollständig: In vielen sozialen und schulisch-kulturellen Bereichen bestehen Verflechtungen, beispielsweise über kirchliche, aber staatlich mitfinanzierte Trägerschaft von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Ebenso berufen sich einige deutsche Parteien auf die christliche Tradition des Landes. Die christlichen Kirchen besitzen den Status von Amtskirchen, sie sind demnach zwar keine staatliche Institution, aber Körperschaften des öffentlichen Rechts.
Wie der grösste Teil West- und Mitteleuropas ist das heutige Deutschland in einem bis zur Antike zurückreichenden historischen und kulturellen Kontext christlich-abendländisch, und seit etwa dem 18. Jahrhundert ebenso aufgeklärt-wissenschaftlich geprägt. Dieser Prägung liegen Einflüsse aus der antiken griechischen und römischen Kultur ebenso zugrunde wie jüdische und christliche Traditionen, die sich seit Beginn der Christianisierung Nordwesteuropas, ab etwa dem 4. Jahrhundert, mit germanischen Traditionen vermischt hatten. Das Gebiet des heutigen Deutschland wurde seit dem frühen Mittelalter christianisiert. In der fränkischen Zeit wurde im Reich Karls des Grossen die entsprechende Missionierung, teilweise durch Zwangsmassnahmen abgeschlossen. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation begann die christliche Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts, angeführt von Martin Luther. Sie prägt die religiöse Landschaft im deutschen Sprachraum bis heute mit.
Die Mehrheit der deutschen Staatsbürger gehört einer christlichen Konfession an: Römisch-Katholische Kirche 33 Prozent (tendenziell überwiegend in West- und Süddeutschland), Evangelische Kirche in Deutschland (Lutheraner, Reformierte und Unierte) 33 Prozent (tendenziell vor allem in Nord- und historisch in Ostdeutschland), orthodoxe Kirche und orientalische Kirchen insgesamt 3 Prozent, Neuapostolische Kirche 0,46 Prozent und ein geringer Anteil von Angehörigen christlicher Freikirchen. Die Anzahl der Gottesdienstbesucher ist geringer. Durchschnittlich 3,8 Millionen Menschen besuchten 2004 die sonntäglichen Gottesdienste der Katholischen Kirche, eine Million jene der Evangelischen Kirche.
Etwa 37,4 Prozent der Bevölkerung gehören keiner der beiden grossen Religionsgemeinschaften an. In den neuen Bundesländern liegt der prozentuelle Anteil zwischen 65,7 % (Thüringen) und 80,3 % (Sachsen-Anhalt). Die DDR hatte bis 1989 eine atheistische Weltanschauung propagiert und vermittelt (siehe Jugendweihe) und den Kirchenaustritt gefördert. In den alten Bundesländern ist die Anzahl der Konfessionslosen geringer, deren Anteil liegt zwischen 20,3 % in Bayern und 57,7 % in Hamburg bzw. 68,8 % in Berlin (letzteres allerdings einschliesslich dem ehemaligen Ost-Berlin). (Statistik der EKD, Stand 31. Dezember 2004)
Islamische Gemeinden haben ca. 3,2 Millionen Mitglieder (3,9 Prozent der Einwohner) und sind vorwiegend ausländischer Herkunft, davon mittlerweile etwa 732.000 deutsche Staatsangehörige (knapp 0,9 Prozent der deutschen Staatsbürger); 9,1 Prozent aller 2004 geborenen Kinder haben muslimische Eltern. Um für die Vielzahl an islamischen Organisationen einen Dachverband zu erhalten, der für Aussenstehende als Ansprechpartner fungieren kann, wurde der Koordinierungsrat der Muslime gegründet.
Die Deutsche Buddhistische Union geht von einer Zahl von 250.000 aktiven Buddhisten in Deutschland aus, die Hälfte davon eingewanderte Asiaten. Dies entspricht 0,3 Prozent der Bevölkerung.
Die Zeugen Jehovas zählen ca. 164.000 oder 0,2 Prozent der Bevölkerung.
106.000 Personen der Bevölkerung gehören jüdischen Gemeinden an. Seit den 1990er Jahren verzeichnen diese einen starken Zuwachs durch Zuwanderer aus Osteuropa, vor allem aus der Ukraine und aus Russland. Nach Frankreich und dem Vereinigten Königreich ist in Deutschland die drittgrösste jüdische Gemeinschaft Europas.
Von den Mitgliedern bestimmter christlicher Kirchen sowie der jüdischen Gemeinden erhebt der Staat traditionell eine Kirchensteuer und leitet diese an die jeweiligen Kirchen (bzw. an den Zentralrat der Juden in Deutschland) weiter.
Des Weiteren ist der Religionsunterricht laut Grundgesetz fakultatives, aber dennoch ordentliches Unterrichtsfach in den Schulen (mit Ausnahme weniger Länder wie Bremen, Berlin und Brandenburg). Dieser Unterricht wird oft von einem Vertreter einer der beiden grossen christlichen Amtskirchen abgehalten.


